VEREIN zur Erforschung der FLORA des REGNITZGEBIETES e.V.
                       Sitz Nürnberg


1. Vorsitzender:
Johannes Wagenknecht
Tel. 09126 1056

2. Vorsitzender:
André Fichtner
Tel. 0179 9092662

 

 

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Exkursion: Sulzbürg botanisch-kulturgeschichtlich
Verfasser und Leiter der Exkursion: Johann Sigl


Auf den Spuren des Botanikers Mauritius Hoffmann
Eine botanisch-kulturgeschichtliche Wanderung in Sulzbürg
Veranstaltet vom Verein zur Erforschung der Flora des Regnitzgebietes e. V. im Rahmen von BayernTour Natur 2005 am 05. Juni 2005 in Sulzbürg

Landschaft und Geologie des Gebiets um Sulzbürg
Im Vorland der Mittleren Frankenalb erheben sich als charakteristisches landschaftsbildendes Element sechs Zeugenberge. Von Norden beginnend sind dies der Dillberg (mit Grünberg und Heinrichsbürg), der Tyrolsberg (mit Hoher Ahnt), der Staufer Berg, der Buchberg und der Sulzbürger Komplex. Etwas weiter westlich befindet sich noch der Möninger Berg. Hauptsächlich durch Erosionsvorgänge wurden sie vom eigentlichen Juramassiv abgetrennt und "zeugen" deshalb vom einstigen Verlauf des Traufs der Frankenalb.
Das Gebiet um Sulzbürg, gelegentlich auch "Sulzgebirge" genannt, besteht aus einem Komplex von fünf Kuppen, nämlich dem Schlüpfelberg (573 m), dem Schloßberg (567 m), dem Badberg (559 m), dem Galgenberg (541 m) und einer namenlosen Anhöhe (540 m) auf dem Weg zum Galgenberg..
Der geologische Aufbau ist typisch für den Jura. Den flach ansteigenden Sockel bildet die landwirtschaftlich intensiv genutzte Zone des Lias. Darauf folgt die unterste Schicht des Dogger, der Opalinuston. Die Orte Körnersdorf und Kerkhofen im Süden liegen an der Übergangszone zwischen beiden Schichten, während Kruppach im Norden noch ganz auf Lias liegt. Im Nordosten, Osten und im Südosten wird im Bereich der Sulz und des Roßbachs der Lias und teilweise der Opalinuston von Terrassensanden verdeckt. Die wasserstauende Schicht des Opalinuston bildet an der Grenze zum Eisensandstein einen Quellhorizont aus. Die Quellen wurden zur Wasserversorgung der Orte genutzt. Die Brauerei Bender in Mühlhausen verwendet dieses Quellwasser zur Bierherstellung. Auch die Opalinustonschicht wird in der Regel landwirtschaftlich genutzt, teilweise ist sie jedoch von Wald bedeckt. Vor allem im Frühjahr zeigt sich eine reiche Flora, z. B. blühen hier das Buschwindröschen, das Gelbe Windröschen, die Schuppenwurz, der Waldgelbstern, das Moschuskraut, das Lungenkraut, der Hohle Lerchensporn, der Aronstab, der Seidelbast und vor allem die Frühlingsknotenblume oder Märzenbecher, eine um Sulzbürg geradezu charakteristische Art in den feuchteren Bereichen des Opalinuston.
Der Steilanstieg zeigt die Zone des Eisensandsteins an, der von Hohlwegen durchzogen wird, deren Aufschlüsse oft eine genauere Betrachtung der Schichtenfolge ermöglichen. Diese Stufe ist von Wald bedeckt, häufig dominiert die Kiefer, aber auch Fichten und Buchen sind vorhanden. Den Boden bedecken Trockenheit ertragende Pflanzen, z. B. Heidekraut, Schwarzbeere, Besenginster, Weiße Hainsimse oder Tüpfelfarn. Jedoch befindet sich am Südhang des Badbergs ein strukturreicher Biotopkomplex aus extensiv genutzten Wiesen und Weiden, durchmischt mit Hecken, Feldgehölzen und alten Obstbäumen. Charakteristische Pflanzen sind die Pechnelke, Sand-Grasnelke oder die Ochsenzunge. Dieser Bereich wurde vom Bayerischen Landesamt für Umweltschutz in die Reihe der "Naturschätze der Oberpfalz" aufgenommen. Ein sowohl natur- als auch kulturhistorisches Relikt in diesem Bereich ist ein Maulbeerbaum, der von den Versuchen der Seidenraupenzucht in Sulzbürg zeugt.
Der auf dem Eisensandstein folgende Ornatenton ist im Gelände als Verebnung erkennbar. Allerdings erreichen nur mehr die untersten Schichten den Schlossberg, den Badberg und den Galgenberg und bilden somit deren Deckschichten. Nur der Schlüpfelberg wird von einem schmalen Ornatentonband mit schwachem Quellhorizont umschlossen, darauf lagern noch die untersten Schichten des Malms oder Weißen Juras. Im Volksmund wird deshalb der Gipfel des Schlüpfelbergs als "Steinplatte" bezeichnet. Hier befanden sich Steinbrüche.


Das Exkursionsgebiet auf der topographischen Karte 1.50.000 (TOP50), Bayerisches Landesvermessungsamt (2000)

Sulzbürgs Häuser schmiegen sich an die Hänge von Schloßberg und Badberg. Vor allem der Schloßberg zeigt einen ziemlich komplizierten Feinaufbau, den Karl Georg Schmidt 1925 in seiner Arbeit "Geologie von Neumarkt" (S. 85 ff.) genau dargestellt hat. Sulzbürg selbst liegt in der Eisensandsteinzone. Allerdings befindet sich hier eine Tonlinse, die zu Rutschungen neigt. 1982 setzte sich der Hang letztmals in Bewegung. Fünf Häuser waren gefährdet, wobei zwei Häuser wegen Einsturzgefahr geräumt werden mussten. Auf der Straße bildeten sich Risse von 3 - 5 cm Breite. Der Hang wurde inzwischen durch verschiedene Maßnahmen gesichert, z. B. durch die Errichtung von Betonstützen, die in den unverrutschten Untergrund eingelassen wurden.

Geschichtlicher Abriss der Sulzbürger Gegend
Sulzbürg und Umgebung weist eine interessante geschichtliche Entwicklung auf. Äußerst bemerkenswert und ungewöhnlich sind vor allem drei historische Komplexe: die Vorgeschichte, die Geschichte der Wolfsteiner Reichsgrafschaft und die konfessionelle Entwicklung. Vorgeschichte Lesefunde von Steinwerkzeugen auf dem Schloßberg weisen bis in die Mittelsteinzeit (8000 bis 5000 v. Chr.). Eine erste sicher nachgewiesene und dauerhafte Siedlung auf dem Schloßberg gehört jedoch der Epoche des Jungneolithikums an ( 3200 bis 2800 v. Chr.). Siedlungen sind auch für die Bronzezeit (2000 bis 700 v. Chr.; eventuell Herrensitz und bronzeverarbeitendes Handwerk), die Hallstatt- und La-Tène-Zeit nachgewiesen. In der zuletzt genannten Epoche, der Keltenzeit, wird ein Siedlungszentrum mit eisenverarbeitender Industrie angenommen. Reste dieser Siedlungen bzw. deren Befestigungen werden im Randwall um den Schlossberg vermutet.
Überregionale Bekanntheit erhielt der Berg auch durch den Fund einer germanischen Silberfibel, die zusammen mit anderen Funden auf eine völkerwanderungszeitliche Höhensiedlung hinweist. Die verkehrsgünstige Lage in der Nähe von bereits in der Vorgeschichte genutzten Verkehrswegen dürfte der ausschlaggebende Grund für Kontinuität der Siedlungen sein. Auch auf dem Schlüpfelberg befindet sich ein Ringwall, der Relikte aus verschiedenen prähistorischen Epochen, aber auch aus dem Mittelalter enthält, z. B. wurde eine karolingische Flügellanzenspitze (ca. 800 n. Chr.) gefunden.

Die Reichsgrafschaft von Wolfstein zu Sulzbürg und Pyrbaum
Sulzbürg war über Jahrhunderte der Hauptort und "Regierungssitz" eines eigenständigen kleinen Landes im damaligen Deutschen Reich. Es war also unabhängig von Bayern bzw. Kurpfalz. 1540 erhielt Sulzbürg die Marktrechte und 1544 ein eigenes Wappen. Durch die Eingemeindung 1976 nach Mühlhausen im Zuge der Gebietsreform verlor Sulzbürg seine Marktrechte.
Die Reichsunmittelbarkeit, Voraussetzung für den Aufbau eines eigenständigen Territoriums, wurde durch Kaiser Karl IV. 1353 verliehen bzw. bestätigt. Etwa zur selben Zeit begann der Ausbau von Schloss Obersulzbürg auf dem Gipfel des Schloßbergs. In der Nähe befand sich mit Niedersulzbürg ein weiterer Herrschaftssitz mit zunächst verschiedenen Besitzern. 1403 erwarben die Wolfsteiner diese Herrschaft. Die Burg wurde vermutlich im Dreißigjährigen Krieg zerstört.

Das hohe Ansehen der Wolfsteiner kam durch die Erhebung in den Reichsfreiherrenstand 1522 und in den Reichsgrafenstand 1673 zum Ausdruck. Der Name "von Wolfstein" leitet sich von der gleichnamigen Burg bei Neumarkt ab. Zuerst waren die Sulzbürger Reichministeriale der Staufer Könige; sie verwalteten deren Land. Der Zeitpunkt des Übergangs vom unfreien Reichsministerialenstand in den Adelsstand ist jedoch nicht bekannt. 1249 waren die Sulzbürger als Stifter des Klosters Seligenporten tätig, wirkten also bereits wie Adelige. Bis 1282 nannten sie sich "von Sulzbürg", ab 1283 taucht der Name "von Wolfstein" auf. Es ist ungeklärt, wie der Name auf die Herrschaft in Sulzbürg kam. Der Kauf der Burg Wolfstein, eine Heirat zwischen Sulzbürgern und Wolfsteinern oder eine Erbschaft sind die am häufigsten genannten Theorien.
Zum Territorium der Wolfsteiner gehörte bis 1462 Wolfstein bei Neumarkt und Umgebung und bis 1534 auch das Gebiet um Allersberg. Um Sulzbürg, aber auch um Pyrbaum bildete sich ein Machtzentrum heraus. Die beiden Gebieten waren räumlich getrennt, bildeten aber zusammen die Reichsgrafschaft Sulzbürg und Pyrbaum. 1562 sicherte sich der bayerische Herzog die Anwartschaft der Reichslehen im Falle des Aussterbens der Wolfsteiner in der männlichen Linie. Dieser Fall trat 1740 ein. Mit Christian Albrecht von Wolfstein starb der letzte Wolfsteiner, nachdem bereits 1728 der Erbprinz Friedrich Wilhelm August im Alter von zwölf Jahren verstorben war. Nun trat der Vertrag von 1562 in Kraft und die Reichsgrafschaft gelangte an Bayern. Das Schloss sollte nun als Wohnungen für die bayerische Verwaltungsbeamte umgebaut werden, dabei stürzte ein Stockwerk ein. Der bayerische Kurfürst verkaufte kurzerhand das Schloss um 2000 Gulden. Es wird erzählt, dass damals die kupfernen Dachrinnen schon alleine soviel wert gewesen wären. Die neuen Besitzer verwendeten das Schloss als Steinbruch, so dass in der Gegenwart nur mehr einige wenige Mauerreste zu sehen sind.

Konfessionelle Entwicklung
Die Wolfsteiner Herrschaft ließ die Reformation zu und förderte sie auch, so dass bis 1584 die Reformation abgeschlossen. Auch die angrenzende Kurpfalz war zu dieser Zeit reformiert. Als diese an Maximilian I. gefallen war, ließ dieser die Gegenreformation durchführen, denn der Herrscher bestimmte damals die Religion seiner Untertanen. Da das Wolfsteiner Herrschaftsgebiet unabhängig war, blieb es evangelisch. Als das Land 1740 an Bayern fiel, hatte der Kurfürst das formale Recht, den katholischen Glauben wieder einzuführen. Es wurden auch Versuche unternommen, z. B. entstand ein Kapuzinerkloster auf dem Schlossberg zur Missionierung. Auch mussten die bayerischen Verwaltungsbeamten der katholischen Konfession angehören. Dennoch unterblieb eine konsequente Rekatholisierung. Durch den Zuzug katholischer Bewohner wurde eine katholische Kirche und eine katholische Schule benötigt, die beide auf dem Schlossberg neben der evangelischen Schlosskirche errichtet wurden. Das Gebiet um Sulzbürg war das erste größere geschlossene Gebiet, das an das ansonsten weitgehend katholische Bayern kam und wird deshalb als "Urzelle" des Dekanats Neumarkt bezeichnet. Auch gegenwärtig sind noch einige Orte, wie z. B. Kerkhofen oder Hofen fast zu 100 Prozent evangelisch und bilden eine evangelische "Insel" inmitten der katholischen Oberpfalz.
Vielfach wird das Gebiet der ehemaligen Reichsgrafschaft als "Landl" bezeichnet. Dieser Name geht auf österreichische Exulanten mit protestantischer Konfession zurück, die aus Glaubensgründen ihre Heimat verlassen mussten und in der protestantischen Wolfsteiner Grafschaft Aufnahme fanden. Diese Leute stammten aus dem "Ländchen ob der Enns" und brachten diesen Namen mit, den sie auf ihre neue Heimat übertrugen.
Vermutlich seit dem 14. Jahrhundert fanden Juden in der Wolfsteiner Herrschaft Aufnahme. Mitte des 19. Jahrhunderts war der zahlenmäßige Höhepunkt erreicht. Beinahe ein Drittel der Sulzbürger Bevölkerung war jüdisch, ein weiteres Drittel katholisch und das letzte Drittel evangelisch. Aus wirtschaftliche Gründen wanderten aber viele Juden ab. 1933 wohnten noch 16 Juden in Sulzbürg, die sechs letzten Juden wurden 1939 nach Theresienstadt deportiert. Heute erinnert noch der Friedhof, einige Judenhäuser und die inzwischen als Wohnhaus genutzte ehemalige Synagoge an die jüdische Bevölkerung

Sehenswertes in Sulzbürg
Evangelische Schlosskirche St. Michael, 1723 geweiht, mit Kanzelaltar und Grafengruft; katholische Pfarrkirche Mater dolorosa, erbaut 175/58, Turm 1877; kath. Pfarrhof, um 1750, ursprünglich Teil eines Klosters; evangelische Pfarrkirche hl. Dreifaltigkeit, sog. Marktkirche; Judenfriedhof, vor 1450 angelegt, 1905 erweitert; Felsenwohnung, oberhalb des Judenfriedhofs; Mühlhauser Torhaus, 17./ 18. Jahrhundert; ehemalige Judenhäuser (Hinterer Berg 1, 3), mit Ritualbad ("Mikwe"); ehemalige Forstdienststelle, (Engelgasse 11), Walmdachbau, 1711; "Weilhaus" (Schloßberg 2), ehemaliges Beamtenhaus des Schlosses, Anfang 18. Jahrh.; Gasthaus "Zur Linde" (Marktplatz 8), Halbwalmdachbau, 17./18. Jahrh.; Burgstall Obersulzbürg mit den Resten des Torbaues; Burgstall Niedersulzbürg, in der Nähe das "Pandurenloch" (Höhle mit künstlicher Erweiterung); "Landlmuseum", ehemaliges protestantisches Schulhaus, viele Exponate zur Vor- und Regionalgeschichte.

Literatur (in Auswahl):
BÖHM, J. (1897): Die ehemalige Wolfsteinische Reichsgrafschaft Sulzbürg-Pyrbaum. - In: Bayerland 8.
BOSL, K. (1941): Die Reichsministerialität als Träger staufischer Staatspolitik in Ostfranken und auf dem bayerischen Nordgau. - In: Jahrbuch des Historischen Vereins zu Mittelfranken 69.
FISCHER, TH. (1988): Römer und Bajuwaren an der Donau.
HERTEL, W. (1967): Der Schlossberg von Sulzbürg, eine Landmarke an der oberpfälzisch-fränkischen Grenze. - In: Die Oberpfalz 1967.
LAMPL, S. (1986): Denkmäler in Bayern, Band III, Oberpfalz.
REISENHAUER, H. (1991): Der Schlossberg zu Sulzbürg.
ROST, C. (1990): Die Reichsherrschaft Sulzbürg-Pytbaum. Entstehung - Entwicklung - Innere Struktur.( Zulassungsarbeit).
SCHMIDT, G. (1925): Geologie von Neumarkt.
SCHMIDT-KALER, H. (1981): Geologische Karte von Bayern 1:25000. Erläuterungen zu Blatt 6834 Berching.
SIGL, J., DENGEL L. & A. GALLER (2000): Mühlhausen. 1100 Jahre Entwicklung. STARK, TH. (1949): Das Landl.
WEINBERG, M. (1927): Geschichte der Juden in der Oberpfalz. IV.: Sulzbürg.




Schloßberg und Badberg, im Vordergrund Erasbach (Foto: F. Fürnrohr)


Die Sulzbürger Zeugenberge von Pollanten (im Vordergrund) aus gesehen. Ganz rechts der Schlüpfelberg (Foto: F. Fürnrohr)


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